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Blogartikel

Frontier PPM

7. August 2026 | 6 Min.

Künstliche IntelligenzProjekt- und Portfoliomanagement

Software wird mittlerweile per Konversation entwickelt. Was bedeutet das für die Art und Weise, wie Unternehmen Projekte und Portfolios steuern? Sehr viel mehr, als die meisten vermuten.

 

Der Vibe-Coding Moment

In den letzten zwei Jahren ist etwas Bemerkenswertes passiert. Menschen ohne Programmierkenntnisse konnten auf einmal Software entwickeln, indem sie diese einfach nur mit Worten beschrieben. Tools wie Lovable und Replit verwandelten einen Textprompt in wenigen Minuten in eine funktionierende Anwendung. Die Branche gab diesem Phänomen einen Namen: Vibe Coding.

Man könnte dies als bloßen Verbrauchertrend abtun, jedoch wäre das zu einfach gedacht und ein Fehler. Denn Vibe Coding beweist, dass sich derzeit ein Wandel vollzieht, wie Unternehmenssoftware gebaut wird. Das Ganze hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Die Entwicklungskosten sind drastisch gesunken und das um weitaus mehr als nur um 20%.

Das ist auch Analysten nicht entgangen. Im April 2026 veröffentlichte Gartner den ersten Market Guide for Enterprise Vibe Coding Platforms und aus einem Phänomen wurde ein offizieller Markt. Wir erleben das gerade bei unseren Kunden, deren Fachbereiche es verstanden haben, Vibe Coding für das Entwickeln von Lösungen zu nutzen.

Nirgendwo ist dieser Druck größer als im Projekt- und Portfoliomanagement. In jedem Unternehmen gibt es Prozesse, die kein Standardtool so richtig abbilden kann. Diese Lücke haben PPM-Teams bislang mit Excel geschlossen, jetzt können sie das mit selbst entwickelten Anwendungen tun. Inzwischen sprechen wir nicht mehr darüber, ob KI-gestützte Softwareentwicklung im PPM eingesetzt wird, sondern eher darüber: findet das alles in einem kontrollierten oder unkontrollierten Umfeld statt?

Bei cplace haben wir dafür einen Namen: wir nennen es Frontier PPM. Projekt- und Portfoliomanagement an der Grenze, an der Lösungen in Gesprächen entstehen und Governance über den Erfolg entscheidet. Drei Veränderungen prägen diese neue Ära.

cplace Vibe Coding

Veränderung 1: Komprimierte Implementierung

Jahrzehntelang folgte Enterprise-PPM demselben Drehbuch: es gab ein 300-zeiliges Anforderungsdokument, einen langwierigen Auswahlprozess und danach folgte ein 18-monatiges Implementierungs-Projekt. Erst im Anschluss gab es den ersten sichtbaren Nutzen.

Dieses Vorgehen war sinnvoll, da jede Iteration mit einem hohen Aufwand verbunden war. Von Beginn an musste eigentlich schon alles richtig gemacht werden, da jede Änderung spezifische Dokumente, Entwicklungssprints und Deployment-Fenster erforderte.

Doch wenn eine Iteration nur noch Stunden statt Monate dauert, kehrt sich die Logik um. Warum sollte man alles im Voraus festlegen, wenn man innerhalb einer Woche eine funktionsfähige Version erstellen, den Nutzern präsentieren und sofort wieder überarbeiten kann? Zudem müssen keine Versprechungen mehr gemacht werden, da alles sofort live gezeigt und bewiesen werden kann.

Auch die Art und Weise, wie Software von PPM-Leads evaluiert und eingekauft wird, verändert sich. Denn interessant sind die Anbieter, die Ihnen eine Lösung zeigen können, die direkt zu Ihrem Prozess passt. Niemand möchte die Katze im Sack kaufen.

 

Veränderung 2: die Selbstwirksamkeit steigt

Die zweite Veränderung betrifft die Frage: Wer entwickelt eigentlich? Werfen wir einen Blick auf das klassische Modell: hier sind die Person, die das Problem beschreiben kann, und die Person, die es löst, nicht dieselbe. Das hat zur Folge, dass Absprachen nötig sind und Anforderungen von A nach B übergeben und besprochen werden müssen. Bei jeder dieser Übergaben geht ein klein wenig Kontext verloren, Fehler schleichen sich ein, die die Umsetzung verzögern.

Mit KI verschwindet diese Lücke. Der PMO-Lead, der genau weiß, warum z. B. der Risk Prozess nicht passt, beschreibt dieses Problem und sieht dann einfach dabei zu, wie seine Anforderung in die Realität übersetzt wird. Anforderer und Umsetzer werden zur selben Person. Unserer Erfahrung nach ist genau das das Wertvolle daran: nicht, weil die KI schneller im Coden ist, sondern weil diese oftmals fehlerhafte und langatmige Übergabe komplett wegfällt.

Daneben gibt es noch eine Kehrseite der Medaille, die jedem CIO bekannt vorkommen dürfte: wenn die offiziell genehmigte Plattform mit den Teams nicht Schritt hält, bauen diese ihre Anwendungen eben woanders. Das Ganze nennt sich Schatten-IT und gemeint sind Excel-Tabellen und Nischentools, die an einem Nachmittag erstellt wurden – alles ohne Genehmigung der IT-Abteilung, außerhalb des Security Modells, der Datenverwaltung und des Audit-Trails.

 

Veränderung 3: der Mehrwert verlagert sich

Wenn Softwareentwicklung immer einfacher wird, dann braucht es dafür keine speziellen Fähigkeiten mehr. Was aber immer weniger wird, ist das Wissen, das entwickelt werden soll. Wie funktioniert ein Portfolioprozess? Wo gibt es Spannungen? Welche Veränderung bringt den größten Hebel? Wie soll eine Lösung live aussehen? Wer darf auf sie zugreifen, wer entwickelt sie weiter und wie bleibt diese Lösung durchgängig compliant?

Für PPM-Profis ist das eine gute Nachricht. Sie benötigen weniger Zeit, um Anforderungen umzusetzen, und haben dafür mehr Zeit für Entscheidungsfindung, Prozessgestaltung und Steuerung. Der Fachexperte gewinnt an Wert, da sein Fachwissen nun direkt in funktionierende Lösungen hineinfließt.

Für Organisationen hingegen verschiebt sich der Fokus: es wird weniger Kapazität für Implementierungen benötigt, dafür steigt die Qualität in Entscheidungen. Gewinner sind nicht Unternehmen mit den größten Entwicklungsteams, sondern solche, deren Experten ihr Wissen unmittelbar in die Tat umsetzen können.

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Was das für Unternehmen bedeutet

Legt man die drei Veränderungen übereinander, entsteht ein klares Bild: Unternehmen, die schnell sein wollen, aber die Governance links liegen lassen, stürzen schnell ins Chaos.

Eine unkontrollierte, mit KI gebaute Anwendung, mag von der Oberfläche her ansprechend sein, sie birgt jedoch enorme Risiken: Sie verfügt über kein Berechtigungsmodell, keinen Lifecycle, keinen Audit-Trail und keinen Weg zur Produktionsreife. Multipliziert man dies mit jedem Team, das „Vibe-Coding“ für sich entdeckt hat, ist das Problem der Schatten-IT zurück – und zwar mit zehnfacher Geschwindigkeit.

Betrachtet man den wachsenden Markt für die Entwicklung von KI-Anwendungen, dann zeichnet sich bereits ein Muster ab: Die Entwicklung selbst wird zunehmend zu einer Standarddienstleistung. Was Plattformen voneinander unterscheidet, ist alles, was nach der Entwicklung geschieht: Deployment, Integration, Sicherheit, der Betrieb ab dem zweiten Tag. Unternehmen vertrauen Plattformen, bei denen jede entwickelte Anwendung ein bestehendes Governance-Modell übernimmt: Identität, Berechtigungen, Compliance, Lifecycle. Dazu zählt auch cplace, mit einem entscheidenden Unterschied: Unsere Plattform wurde für die tiefgreifende, vernetzte Komplexität von Unternehmensportfolios entwickelt, in denen eine entwickelte Anwendung niemals als Insellösung dasteht.

Governed heißt bei uns konkret:

  • KI-Aktionen laufen innerhalb Ihres bestehenden Berechtigungs- und Zugriffsmodells ab und nicht daran vorbei.
  • KI liest und schreibt innerhalb Ihres Datenmodells, Sie haben immer die Kontrolle. Es gibt keine Schattenkopien und kein Training mit Ihren Daten.
  • KI-generierte Lösungen entstehen aus bewährten Bausteinen, werden vor dem Einsatz geprüft, versioniert und bleiben weiterentwickelbar.

Unsere cplace AI Product Managerin Julia Hillenkötter bringt es auf den Punkt: „Die Anforderung, die wir am häufigsten von Kunden hören, ist die nach Kontrolle: KI darf weniger sehen als die Person, für die sie arbeitet. Die Versionshistorie ist ein klassisches Beispiel dafür – für einen Benutzer lesbar, für ein Modell jedoch unzugänglich. Wir entwickeln KI-spezifische Berechtigungen, damit diese Einschränkung von einem Administrator konfiguriert werden kann und nicht dadurch erreicht wird, dass die KI einfach abgeschaltet wird.“

 

Wohin sich cplace entwickelt

Genau entlang dieser Grenze entwickeln wir cplace weiter. Unsere Architektur ist heute wichtiger denn je. cplace basiert auf einem flexiblen, hybriden Datenmodell, weil jedes Unternehmen seine Prozesse anders lebt. Genau diese Architektur benötigt KI. Starre Schemata erzeugen starre KI. Ein flexibles Datenmodell mit echten semantischen Beziehungen dagegen gibt KI echten Kontext: Sie versteht, wie Projekte, Ressourcen, Risiken und Entscheidungen tatsächlich zusammenhängen – und kann darauf aufbauend handeln.

Auf dieser Grundlage liefern wir die gesamte Bandbreite:

  • Work with AI: AI Companion, Assistants und Agents bringen kontextbewusste Intelligenz in die tägliche Portfolioarbeit: von der Beantwortung von Fragen bis zum proaktiven Handeln.
  • Connect with AI: Unser MCP-Server macht cplace aus jedem KI-Client zugänglich, den Ihr Unternehmen nutzt.
  • Create with AI: Der cplace AI Builder erstellt vollständige, regulierte Anwendungen: Sie beschreiben die benötigte Lösung oder starten sogar direkt aus den Excel-Tabellen, in denen Ihr Prozess heute lebt, und erhalten eine produktionsreife Anwendung innerhalb der cplace Plattform. Und das innerhalb weniger Tage. Unsere Kunden, die den AI Builder bereits nutzen, senken ihre Entwicklungskosten um mehr als 40 Prozent.

Vibe Coding demonstriert gerade, was alles möglich ist. Frontier PPM mit cplace zeigt, wie diese Möglichkeit ein Zuhause im Unternehmen findet – mit Governance ab Tag eins und nicht erst nachträglich aufgesetzt.

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Welchen Weg möchten Sie einschlagen?

Die drei oben beschriebenen Veränderungen sind keine Prognosen, sondern finden bereits statt. Im Prinzip müssen Sie nur entscheiden, ob Ihr Unternehmen dem Frontier PPM bewusst begegnet – auf einer dafür konzipierten Plattform – oder eher zufällig, indem es nach und nach Anwendungen einsetzt, die keiner Governance unterliegen.

Für uns ist klar, für welche Seite wir entwickeln. Wissen Sie schon, wo Ihre nächste Lösung entwickelt wird?

Über den Autor

Navid Heidemann, Head of Product, cplace

Navid Heidemann hat in den letzten zwölf Jahren maßgeblich die Produktentwicklung von cplace geprägt. Sein Engagement für die Verbindung von traditionellen und agilen Methoden im PPM hat zu bedeutenden Innovationen geführt. Navid setzt sich dafür ein, KI im PPM zu demokratisieren und alle Nutzer bei cplace zu befähigen, Betriebsabläufe und strategische Erkenntnisse durch cplace AI zu optimieren.  

Zum LinkedIn-Profil
Navid Heidemann

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